Was ich lese

Cecelia Ahern: Frauen, die ihre Stimme erheben

In dieser Kurzgeschichtensammlung gibt es nur eine Protagonistin: ‚die Frau‘. Sie hat keinen Namen, keine Individualität, kein Gesicht. Was ihr geschieht, geschieht allen Frauen. Sie reiben sich auf zwischen Kinder, Küche und Karriere, kämpfen mit dem eigenen Älter werden, mit senilen Eltern, Krankheit, Tod.

Ahern nimmt bekannte Sprichwörter und Redewendungen als Aufhänger für ihre Geschichten:

Eine Frau, die von ihren eigenen Gewissensbissen (sie kann es einfach niemandem recht machen) buchstäblich aufgefressen wird.

Ein Loch im Boden, dass sich hilfreich aufut in peinlichen Momenten, und einer Frau Zuflucht bietet (und siehe da, es sitzen bereits andere Frauen dort unten).

Eine Frau, die in der Alltagshektik ihren eigenen Namen vergisst just in dem Moment, als sie ein Restaurant betritt und nach ihrer Reservierung gefragt wird.

Leider (wie bereits festgestellt) haben die Protagonistinnen keine Namen, und damit für mich als Leserin auch kein Gesicht, keine Individualität. Sie sollen stellvertretend für alle Frauen stehen, und erzeugen beim Lesen doch nur Langeweile. Eben genau deshalb, weil sie keine Individualität haben. Genauso langweilig sind dann auch die Problemlösungen in Aherns Geschichten.

Peinlicher Moment? Kein Problem, denk einfach daran, es gibt Schlimmeres.

Gewissensbisse? Kein Problem, denk einfach daran, dass niemand von dir verlangt, perfekt zu sein.

Identitätsverlust? Kein Problem, Mama kommt und alles wird gut.

Cecelia Ahern hat wunderbare Ideen und witzige, originelle Ansätze. Ich habe viele der Geschichten mit Vergnügen und Neugier begonnen, weil ich wissen wollte, wie es weitergeht. Die von den Frauen, die sich in dem Loch im Boden treffen, z.b. das, in dem sie aus Scham über eine begangene Peinlichkeit verschwunden sind. Was tun sie jetzt da unten, starten sie eine Revolution oder gründen sie einen Verein, wandern sie aus oder werden sie Hexen? Leider nein. Sie machen einfach weiter wie vorher.

Ich habe ungefähr zwei Drittel des Buches geschafft, dann habe ich es genervt zur Seite gelegt.

Cecelia Ahern: Frauen, die ihre Stimme erheben heißt im englischen original: Roar! Das ist ein kraftvolles Löwenbrüllen. Aber in diesen Geschichten miauen höchstens Kätzchen.

Leider.

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